Photovoltaik Kosten pro Kilowatt Stunde berechnen: Ein Überblick
Als Thomas Brenner im Frühjahr seine erste Stromrechnung nach der Installation seiner Photovoltaikanlage öffnete, traute er seinen Augen kaum. Nicht weil sie so hoch war – sondern weil sie so niedrig ausfiel. Doch was ihn wirklich beschäftigte, war eine ganz andere Frage: Was kostet ihn eigentlich die Kilowattstunde, die er selbst produziert? Sein Installateur hatte ihm eine Zahl genannt, sein Schwager eine andere, und im Internet fand er mindestens fünf verschiedene Antworten. Brenners Verwirrung ist kein Einzelfall. Die Berechnung der tatsächlichen Kosten pro selbst erzeugter Kilowattstunde gehört zu den meistgestellten und gleichzeitig meistmissverstandenen Fragen rund um die Solarenergie.
Die Grundlagen der Berechnung der Photovoltaik Kosten pro Kilowatt Stunde
Dabei ist die Grundidee hinter der Berechnung gar nicht so kompliziert, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Der sogenannte Stromgestehungspreis – auf Englisch Levelized Cost of Energy, kurz LCOE – beschreibt, was eine Kilowattstunde Solarstrom den Anlagenbetreiber über die gesamte Lebensdauer seiner Anlage tatsächlich kostet. Man nimmt also alle Ausgaben, die mit der Anlage zusammenhängen, und teilt sie durch die Gesamtmenge des produzierten Stroms. Klingt einfach, ist es im Prinzip auch – aber der Teufel steckt, wie so oft, in den Details. Die Anschaffungskosten einer typischen Photovoltaikanlage für ein Einfamilienhaus liegen derzeit, je nach Größe und Ausstattung, zwischen 8.000 und 25.000 Euro. Für eine 10-Kilowatt-Peak-Anlage, die für viele Haushalte ein realistischer Richtwert ist, muss man grob mit Kosten zwischen 14.000 und 20.000 Euro rechnen – inklusive Montage, Wechselrichter und Anmeldung. Diese Investitionssumme steht am Anfang jeder seriösen Kalkulation.
Was viele bei ihrer ersten Überschlagsrechnung vergessen: Die Anschaffungskosten sind nur der sichtbare Teil des Eisbergs. Hinzu kommen laufende Betriebskosten, die zwar überschaubar, aber keinesfalls zu vernachlässigen sind. Dazu zählen die Versicherung der Anlage, die in der Regel zwischen 100 und 200 Euro pro Jahr liegt, sowie gelegentliche Wartungs- und Reinigungskosten. Der Wechselrichter, das elektronische Herzstück jeder Photovoltaikanlage, hat eine durchschnittliche Lebensdauer von etwa zehn bis fünfzehn Jahren und muss im Laufe der Anlagenlebensdauer in der Regel einmal ersetzt werden – ein Posten von 1.000 bis 3.000 Euro, der in die Gesamtrechnung einfließen muss. Wer einen Batteriespeicher installiert, muss auch diesen in die Kalkulation einbeziehen, denn Speicher kosten heute noch zwischen 5.000 und 12.000 Euro und haben eine begrenzte Lebensdauer. Für eine ehrliche Berechnung des Stromgestehungspreises sollten diese Gesamtkosten über die Laufzeit addiert werden. Bei einer typischen 10-kWp-Anlage ohne Speicher landet man realistischerweise bei Gesamtkosten von etwa 20.000 bis 25.000 Euro über zwanzig Jahre, wenn man Ersatzteile und Betrieb einrechnet.
In diesem Zusammenhang lohnt sich auch ein Blick auf diesen Artikel zum Thema: Photovoltaik Anlage Größe berechnen Kilowatt.
Die andere Seite der Gleichung ist die erzeugte Strommenge. Eine Kilowatt-Peak-Leistung erzeugt in Deutschland – je nach Standort, Ausrichtung und Neigungswinkel des Daches – zwischen 800 und 1.100 Kilowattstunden pro Jahr. Eine nach Süden ausgerichtete Anlage in Bayern bringt dabei deutlich mehr als eine west-ost-orientierte Anlage in Norddeutschland. Als grober Richtwert gilt für Deutschland ein Mittelwert von etwa 950 Kilowattstunden pro Kilowatt-Peak und Jahr. Für unsere 10-kWp-Anlage bedeutet das eine jährliche Produktion von rund 9.500 Kilowattstunden. Über zwanzig Jahre – die üblicherweise angenommene Mindestlebensdauer moderner Solarmodule – kommt man damit auf eine Gesamtproduktion von etwa 190.000 Kilowattstunden. Allerdings nehmen die Module mit der Zeit leicht an Leistung ab, was als Degradation bezeichnet wird. Moderne Module verlieren pro Jahr etwa 0,3 bis 0,5 Prozent ihrer Leistung, sodass man realistisch etwas weniger als die theoretische Maximalmenge veranschlagen sollte – rund 180.000 Kilowattstunden sind ein pragmatischer Planungswert. Teilt man nun die Gesamtkosten von etwa 22.000 Euro durch diese 180.000 Kilowattstunden, ergibt sich ein Stromgestehungspreis von ungefähr 12 Cent pro Kilowattstunde. Dieser Wert liegt damit erheblich unter dem aktuellen Netzstrompreis für Haushalte, der in Deutschland zuletzt zwischen 28 und 35 Cent pro Kilowattstunde pendelte.
Doch so verlockend dieser Vergleich klingt, er bedarf einer wichtigen Relativierung. Denn der selbst erzeugte Solarstrom ist nur dann tatsächlich kostenlos nutzbar, wenn er auch zum Zeitpunkt der Erzeugung verbraucht wird. Strom, der ins Netz eingespeist wird, bringt derzeit eine Einspeisevergütung von etwa 8 bis 13 Cent pro Kilowattstunde – je nach Anlagengröße und Zeitpunkt der Inbetriebnahme. Das bedeutet: Selbst genutzter Solarstrom spart den vollen Netzstrompreis ein, eingespeister Strom erzielt nur die deutlich niedrigere Vergütung. Die sogenannte Eigenverbrauchsquote – also der Anteil des selbst erzeugten Stroms, der direkt im Haushalt genutzt wird – ist deshalb ein entscheidender Faktor für die Wirtschaftlichkeit der Anlage. Ohne Speicher liegt diese Quote für einen durchschnittlichen Haushalt bei etwa 25 bis 35 Prozent. Mit einem gut dimensionierten Batteriespeicher kann sie auf 60 bis 80 Prozent steigen – was erklärt, warum viele Haushalte trotz der erheblichen Zusatzkosten für einen Speicher wirtschaftlich besser abschneiden. Gleichzeitig muss der Speicher aber seinerseits in die Kostenrechnung einbezogen werden, was den Stromgestehungspreis wieder nach oben treibt. Mit Speicher landet man realistisch eher bei 15 bis 20 Cent pro Kilowattstunde – immer noch unter dem Netzstrompreis, aber eben nicht mehr so weit.
Passend dazu haben wir einen weiteren Beitrag zum Thema: Photovoltaik Kosten amortisieren wie lange.
Was bleibt, ist ein nüchternes, aber durchaus ermutigendes Bild. Photovoltaik lohnt sich in Deutschland für die meisten Hauseigentümer finanziell – aber nur dann, wenn die Kalkulation ehrlich und vollständig angestellt wird. Wer nur die Anschaffungskosten durch die Jahresproduktion teilt, rechnet sich das Ergebnis schöner als es ist. Wer dagegen alle Kosten über die gesamte Laufzeit einbezieht, die Degradation berücksichtigt und realistisch mit der Eigenverbrauchsquote kalkuliert, erhält eine belastbare Grundlage für seine Entscheidung. Thomas Brenner hat diese Rechnung inzwischen nachgeholt, mit einem Tabellenkalkulationsprogramm und etwas Geduld. Sein Ergebnis: Er erzeugt seinen Strom für gut 11 Cent pro Kilowattstunde – und zahlt damit weniger als ein Drittel dessen, was sein Nachbar ans Energieunternehmen überweist. Die Verwirrung vom Frühjahr 2022 hat sich in handfeste Zufriedenheit verwandelt, gestützt auf Zahlen, die er selbst nachvollziehen kann.
Häufig gestellte Fragen
Wie berechne ich die Kosten pro Kilowattstunde?
Um die Kosten pro Kilowattstunde zu berechnen, teilen Sie die Gesamtkosten Ihrer Photovoltaikanlage durch die gesamte Strommenge, die über die Lebensdauer der Anlage produziert wird.
Was sind die laufenden Kosten einer Photovoltaikanlage?
Zu den laufenden Kosten gehören Versicherungen, Wartung, Reinigung und der mögliche Austausch des Wechselrichters.
Wie hoch ist die Einspeisevergütung?
Die Einspeisevergütung liegt derzeit zwischen 8 und 13 Cent pro Kilowattstunde, abhängig von der Anlagengröße und dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme.
Was ist die Eigenverbrauchsquote?
Die Eigenverbrauchsquote beschreibt den Anteil des selbst erzeugten Stroms, der direkt im Haushalt genutzt wird, und ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit der Anlage.
Wie beeinflusst die Degradation die Kosten?
Die Degradation führt dazu, dass die Module im Laufe der Zeit an Leistung verlieren, was die berechnete Menge an produziertem Strom und somit die Kosten pro Kilowattstunde beeinflusst.
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