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Was ist das Photovoltaik Mieterstrom Modell?

Wenn Karsten Möller morgens seinen Kaffee kocht, denkt er nicht mehr darüber nach, woher der Strom kommt. Dabei ist die Antwort ungewöhnlich nah: vom Dach seines eigenen Mietshauses in Leipzig, umgewandelt in Solarenergie, direkt in seine Steckdose geleitet. Möller zahlt dafür weniger als bei seinem früheren Stadtwerke-Vertrag, und sein Vermieter hat eine neue Einnahmequelle erschlossen, ohne dafür das Gebäude grundlegend umbauen zu müssen. Was klingt wie ein Pilotprojekt aus der Zukunft, ist längst Gegenwart – und heißt Mieterstrom. Das Mieterstrom-Modell beschreibt ein Konzept, bei dem eine Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses installiert wird und der erzeugte Strom nicht ins allgemeine Netz eingespeist, sondern direkt an die Mieter des Gebäudes verkauft wird.

Wie funktioniert das Mieterstrom Modell?

Der entscheidende Unterschied zu einem herkömmlichen Solarstrom-Vertrag liegt darin, dass der Strom das Gebäude physisch nicht verlässt. Er fließt vom Dach durch das Hausnetz direkt in die Wohnungen – und genau diese kurze Strecke macht einen erheblichen wirtschaftlichen Unterschied. Denn wer Strom über das öffentliche Netz transportiert, zahlt Netzentgelte, Umlagen und Steuern, die den Preis deutlich in die Höhe treiben. Bei Mieterstrom entfällt ein Großteil dieser Kosten, was sowohl Vermieter als auch Mieter in eine günstigere Position bringt. Seit dem Mieterstromgesetz von 2017, das 2022 noch einmal reformiert und attraktiver gestaltet wurde, gibt es in Deutschland zudem einen staatlichen Zuschlag für Anlagenbetreiber, der das Modell finanziell zusätzlich absichert.

Konkret funktioniert das Ganze so: Ein Vermieter, eine Wohnungsbaugesellschaft oder ein spezialisierter Dienstleister installiert eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Mehrfamilienhauses. Dieser Betreiber schließt dann individuelle Stromlieferverträge mit den einzelnen Mietern ab. Wichtig dabei ist, dass die Mieter rechtlich nicht gezwungen werden können, den Mieterstrom zu beziehen – sie haben das Recht, ihren Anbieter frei zu wählen. In der Praxis ist das Angebot jedoch so gestaltet, dass es für Mieter attraktiver ist als ein vergleichbarer Vertrag beim Grundversorger. Der Mieterstrompreis darf per Gesetz nicht höher sein als der lokale Grundversorgungstarif, liegt in der Regel aber darunter. Was produziert wird, wenn kein Mieter gerade Strom abnimmt, oder was in Spitzenzeiten fehlt, wird über das öffentliche Netz ausgeglichen – ein sogenannter Ergänzungslieferant stellt sicher, dass die Versorgung zu jeder Tages- und Nachtzeit lückenlos bleibt. Mieter haben also weder Komfort- noch Sicherheitsverluste, bezahlen aber in aller Regel weniger.

In diesem Zusammenhang lohnt sich auch ein Blick auf diesen Artikel zum Thema: Photovoltaik bei Bewölkung Leistung Einbußen.


Vorteile für Vermieter und Mieter

Für Vermieter rechnet sich das Modell aus mehreren Richtungen. Die PV-Anlage selbst ist eine Investition, die sich über die Einsparungen und die Einnahmen aus dem Stromverkauf amortisiert. Hinzu kommt der staatliche Mieterstromzuschlag, der über das Erneuerbare-Energien-Gesetz ausgezahlt wird und sich nach der Größe der Anlage richtet. Wohnhäuser mit bis zu 750 Kilowatt Peakleistung sind förderfähig – ein Rahmen, der die allermeisten Mehrfamilienhäuser abdeckt. Darüber hinaus wird eine solche Anlage zunehmend zum Argument gegenüber Mietern und Investoren: Energieeffizienz ist kein Nischenthema mehr, sondern ein Faktor bei Mietentscheidungen und Immobilienbewertungen. Wer sein Gebäude mit Mieterstrom ausstattet, senkt auch den CO₂-Ausstoß des Gebäudes und verbessert dadurch den Energieausweis, was wiederum Auswirkungen auf Sanierungspflichten und künftige Regulierungen haben kann. In einer Zeit, in der die EU mit der Gebäuderichtlinie zunehmend Druck auf den Immobilienbestand ausübt, ist das kein unwichtiges Signal.

Herausforderungen des Mieterstrom Modells

Gleichzeitig wäre es unehrlich, die Hürden des Modells zu verschweigen. Die größte liegt im bürokratischen und organisatorischen Aufwand. Wer Mieterstrom anbieten will, wird zum Stromversorger – zumindest in einem kleinen Maßstab. Das bedeutet Messkonzepte, Abrechnungssysteme, Vertragsgestaltung, Kommunikation mit dem Netzbetreiber und die Einhaltung energierechtlicher Vorschriften. Viele Vermieter, insbesondere private mit einem oder wenigen Mehrfamilienhäusern, sind damit schnell überfordert. Deshalb hat sich in den letzten Jahren ein Markt spezialisierter Dienstleister entwickelt, die das gesamte Modell schlüsselfertig anbieten – von der Planung der Anlage über die Abwicklung der Messinfrastruktur bis zur monatlichen Abrechnung gegenüber den Mietern. Solche Anbieter übernehmen die Rolle des Betreibers und teilen die Einnahmen mit dem Eigentümer. Das senkt den Eigenaufwand erheblich, reduziert aber auch den Anteil, der beim Vermieter verbleibt. Je nach Größe des Projekts und Vertragsmodell muss sorgfältig gerechnet werden, ob sich die Zusammenarbeit lohnt oder ob es sinnvoller ist, die Anlage vollständig in Eigenregie zu betreiben.

Passend dazu haben wir einen weiteren Beitrag zum Thema: Photovoltaik Kosten amortisieren wie lange.


Der Einfluss des Gebäudetyps auf den Erfolg

Ein weiterer Aspekt, der häufig unterschätzt wird, ist die Bedeutung des Gebäudetyps und seiner Bewohnerstruktur. Mieterstrom entfaltet seinen vollen Nutzen, wenn möglichst viel des erzeugten Solarstroms direkt im Gebäude verbraucht wird. Ein Haus, in dem tagsüber viele Menschen zuhause sind – etwa Familien mit Kleinkindern, Rentner oder Menschen im Homeoffice – hat eine deutlich höhere Eigenverbrauchsquote als ein Gebäude, das hauptsächlich von Berufstätigen bewohnt wird, die tagsüber weg sind. Ergänzende Technologien wie Batteriespeicher oder Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge können helfen, überschüssigen Solarstrom zu speichern und die Eigenverbrauchsquote zu steigern. Auch das gemeinschaftliche Nutzen von Strom über Wohnungsgrenzen hinweg, etwa für Treppenhausbeleuchtung oder Tiefgaragenbelüftung, verbessert die Gesamtbilanz. Wer diese Stellschrauben von Anfang an mitdenkt, holt deutlich mehr aus der Anlage heraus.

Karsten Möller in Leipzig kümmert sich um all das nicht. Er profitiert vom Ergebnis, ohne die Mechanik dahinter täglich vor Augen zu haben – was vermutlich der treffendste Beweis dafür ist, dass das Modell funktioniert. Mieterstrom ist keine Revolution, aber eine konsequente Weiterentwicklung der Idee, dass erneuerbare Energie nicht nur etwas für Eigenheimbesitzer mit Garten sein sollte. Mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung wohnt zur Miete. Das Potenzial, das auf den Dächern dieser Gebäude schlummert, ist enorm – und das Mieterstrom-Modell ist einer der wenigen praktischen Wege, es zu heben.

Häufig gestellte Fragen

Was sind die Vorteile des Mieterstrom Modells?

Das Mieterstrom Modell bietet sowohl Mietern als auch Vermietern finanzielle Vorteile durch reduzierte Strompreise und staatliche Zuschüsse.

Wie wird der Mieterstrom abgerechnet?

Die Abrechnung erfolgt über individuelle Stromlieferverträge zwischen dem Betreiber und den Mietern, wobei gesetzliche Vorgaben eingehalten werden müssen.

Kann ich als Mieter den Anbieter wechseln?

Ja, Mieter sind rechtlich nicht verpflichtet, den Mieterstrom zu beziehen und können ihren Anbieter frei wählen.

Welche Kosten fallen beim Mieterstrom an?

Die Kosten sind in der Regel niedriger als bei der Grundversorgung, da Netzentgelte und Umlagen entfallen.

Wie funktioniert die Einspeisung ins Netz?

Überschüssiger Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist, um eine lückenlose Versorgung sicherzustellen.

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