Einführung in die Photovoltaik Notstromfunktion
Es war ein Dienstagabend im Januar, als in einem Neubaugebiet am Stadtrand von Freiburg der Strom ausfiel. Nicht nur kurz, nicht nur für eine Straße – sondern für mehrere Stunden, ausgelöst durch einen Transformatorschaden bei eisigen Minustemperaturen. Die meisten Haushalte saßen im Dunkeln, die Heizungspumpen standen still, Kühlschränke tauten auf. Einer aber nicht: Familie Weissenberger behielt Licht, Wärme und sogar die Möglichkeit, ihr Elektroauto aufzuladen. Ihr Geheimnis war kein Generator, kein Dieselaggregat – sondern eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher und sorgfältig eingerichteter Notstromfunktion. Was damals wie ein glücklicher Zufall wirkte, war in Wahrheit das Ergebnis einer bewussten Planung, über die sich viele Hausbesitzer erst dann Gedanken machen, wenn es zu spät ist.
Die Bedeutung der Notstromfunktion bei Photovoltaikanlagen
Die Notstromfunktion bei Photovoltaikanlagen ist ein Thema, das in der öffentlichen Diskussion erstaunlich wenig Raum bekommt, obwohl die Nachfrage nach Heimspeichern in Deutschland in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert ist. Wer sich eine Solaranlage aufs Dach schrauben lässt, denkt zunächst an Eigenverbrauch, Einspeisevergütung und Amortisationszeit – kaum jemand fragt beim Installateur gleich nach dem Verhalten des Systems bei einem Netzausfall. Dabei ist genau das der entscheidende Unterschied zwischen einer Anlage, die bei einem Blackout ebenfalls schweigt, und einer, die genau dann übernimmt, wenn das öffentliche Netz versagt. Denn das ist keine Selbstverständlichkeit: Ohne spezielle Konfiguration schaltet sich eine netzgekoppelte PV-Anlage bei einem Stromausfall aus Sicherheitsgründen automatisch ab. Das ist technisch sinnvoll, denn ins Netz eingespeister Strom würde Techniker gefährden, die an den Leitungen arbeiten. Wer jedoch Notstrom will, braucht entweder eine Inselanlage oder – und das ist der modernere, komfortablere Weg – einen Speicher mit Notstromfunktion, der das Haus sauber vom öffentlichen Netz trennt und anschließend eigenständig versorgt.
Technisch unterscheidet man dabei zwischen zwei grundlegenden Varianten: dem sogenannten Ersatzstrom und dem echten Notstrom. Beim Ersatzstrom, den viele Hersteller auch als „Backup-Funktion” bezeichnen, übernimmt der Batteriespeicher die Versorgung nur bestimmter, vorab definierter Stromkreise – etwa Beleuchtung, Kühlschrank und eine Steckdose im Wohnzimmer. Die Umschaltzeit beträgt dabei meist mehrere Sekunden, was empfindliche Geräte wie Server, medizinische Apparate oder bestimmte Heizungsregelungen kurzzeitig unterbrechen kann. Echter Notstrom hingegen, technisch als unterbrechungsfreie Stromversorgung realisiert, schaltet in Millisekunden um – so schnell, dass selbst laufende Computer nichts davon merken. Systeme wie der SMA Sunny Home Manager in Kombination mit dem Sunny Boy Storage oder Produkte von Fronius, BYD, E3DC und Sonnen bieten unterschiedliche Stufen dieser Absicherung an. Welche Variante sinnvoll ist, hängt stark davon ab, welche Geräte im Haushalt als kritisch eingestuft werden und wie tief man in die eigene Elektroinstallation eingreifen möchte.
In diesem Zusammenhang lohnt sich auch ein Blick auf diesen Artikel zum Thema: Photovoltaik mit Speicher lohnt sich.
Genau hier liegt das Herzstück der Einrichtung: die Hausinstallation selbst. Eine Notstromfunktion lässt sich nicht einfach per App aktivieren und dann vergessen. Es bedarf einer Aufteilung des Stromkreises, bei der notstromrelevante Verbraucher auf einen separaten Unterverteiler gelegt werden – den sogenannten Notstromkreis. Dieser wird vom Rest des Hauses elektrisch getrennt und nur über den Wechselrichter des Speichers versorgt, sobald dieser die Netzabwesenheit erkennt und in den Inselbetrieb wechselt. Ein zertifizierter Elektriker muss diese Trennung fachgerecht ausführen, und die Installation muss nach VDE-Norm abgenommen werden. Wer diesen Schritt spart oder einem unseriösen Anbieter überlässt, riskiert nicht nur die Betriebssicherheit der Anlage, sondern im Zweifelsfall auch den Versicherungsschutz. Die Kosten für eine solche Erweiterung liegen je nach Aufwand zwischen 500 und 2.000 Euro – ein überschaubarer Betrag angesichts der Sicherheit, die er bietet. Parallel dazu lohnt es sich, den Speicher auf eine ausreichende Kapazität auszulegen. Für eine Familie mit durchschnittlichem Verbrauch gelten zehn bis fünfzehn Kilowattstunden als grobe Orientierung für eine Übernachtung ohne Sonne; wer auch eine Wärmepumpe oder ein Elektrofahrzeug ins Notstromkonzept einbinden will, denkt besser in größeren Dimensionen.
Was viele unterschätzen: Die Photovoltaikanlage auf dem Dach spielt im Notstromfall eine aktive Rolle – aber nicht ohne Vorbedingungen. Viele Speichersysteme können im Inselbetrieb tagsüber den Speicher über die Solarmodule nachladen, wenn die Sonne scheint. Das verlängert die Autonomiezeit des Systems erheblich und macht es in bestimmten Szenarien – etwa bei einem mehrtägigen Ausfall nach einem Unwetter im Sommer – nahezu selbsttragend. Allerdings ist auch hier die Konfiguration entscheidend: Der Wechselrichter muss explizit dafür ausgelegt sein, im Inselbetrieb Energie aus den Modulen aufzunehmen und gleichzeitig den Haushalt zu speisen. Nicht jede Kombination aus Modulen, Wechselrichter und Speicher beherrscht diesen sogenannten Solar-Backup-Betrieb. Wer also beim Kauf einer neuen Anlage bereits heute an die Notstromfähigkeit denkt, sollte diese Anforderung explizit in die Ausschreibung aufnehmen und sich schriftlich vom Installateur bestätigen lassen, dass das gesamte System – nicht nur einzelne Komponenten – für den Inselbetrieb mit Solareinspeisung zertifiziert ist.
Passend dazu haben wir einen weiteren Beitrag zum Thema: Photovoltaik Eigenverbrauch erhöhen Möglichkeiten.
Am Ende ist die Notstromfunktion weniger eine technische Spielerei als eine ernsthafte Resilienzstrategie. Die Zahl der Netzstörungen in Deutschland ist zwar im internationalen Vergleich noch immer gering, doch Extremwetterereignisse, alternde Infrastruktur und steigende Last durch die Elektrifizierung des Wärme- und Verkehrssektors machen Versorgungsunterbrechungen wahrscheinlicher als noch vor zehn Jahren. Gleichzeitig wird die Abhängigkeit von einer funktionierenden Stromversorgung im Alltag immer größer: Heizungspumpen, Kühlmedikamente, Kommunikation, Homeoffice – vieles davon setzt einen stabilen Stromfluss voraus. Familie Weissenberger in Freiburg hatte das begriffen, bevor der Ausfall kam. Für alle anderen ist der beste Zeitpunkt zur Planung nicht nach dem nächsten Blackout – sondern jetzt, beim nächsten Gespräch mit dem Solarteur, bevor der Kran die ersten Module auf das Dach hebt.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die Notstromfunktion bei Photovoltaikanlagen?
Die Notstromfunktion ermöglicht es einer Photovoltaikanlage, auch bei einem Stromausfall das Haus mit Energie zu versorgen. Dies geschieht durch spezielle Konfigurationen und einen Batteriespeicher.
Wie viel kostet die Einrichtung einer Notstromfunktion?
Die Kosten für die Einrichtung einer Notstromfunktion liegen je nach Aufwand zwischen 500 und 2.000 Euro. Diese Investition kann jedoch die Betriebssicherheit und den Versicherungsschutz erhöhen.
Welche Geräte können im Notstrombetrieb versorgt werden?
Im Notstrombetrieb können gezielt bestimmte Geräte wie Kühlschränke, Beleuchtung und Steckdosen versorgt werden. Die Auswahl hängt von der Konfiguration des Systems ab.
Wie schnell schaltet das Notstromsystem um?
Echter Notstrom schaltet in Millisekunden um, sodass empfindliche Geräte wie Computer nicht unterbrochen werden. Ersatzstrom hat eine Umschaltzeit von mehreren Sekunden.
Kann ich meine Photovoltaikanlage selbst für Notstrom konfigurieren?
Die Konfiguration der Notstromfunktion erfordert Fachwissen und sollte von einem zertifizierten Elektriker durchgeführt werden, um die Sicherheit und Effizienz zu gewährleisten.
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