Hallo zusammen,
ich experimentiere gerade mit zwei unterschiedlichen Balkonanlagen – einmal eine 400W Anlage an der Ostseite, einmal 300W Süd. Beim Durchrechnen der Amortisationszeit bin ich mir unsicher, wie realistisch ich die Sommererträge einkalkulieren soll.
Im August haben meine Anlagen natürlich Hochkonjunktur – teilweise über 3,5 kWh/Tag bei der Südanlage. Aber ich weiß, dass das nicht das ganze Jahr über haltbar ist. Viele Rechner online nehmen einfach den Jahres-Durchschnitt von den Herstellerangaben, aber das kommt mir zu optimistisch vor, besonders wenn ich bedenke, wie dünn die Ausbeute im November bis Februar wird.
Wie geht ihr daran heran? Rechnet ihr mit gemessenen Durchschnittswerten aus euren Erfahrungen, oder nutzt ihr solche PV-GIS-Daten? Und wie würdet ihr die Degradation der Module über 20-25 Jahre einrechnen – macht das einen nennenswerten Unterschied bei Mini-Anlagen?
Mich interessiert besonders die praktische Perspektive von euch, nicht irgendwelche Verbraucherratgeber-Rechner.
Das ist eine sehr berechtigte Frage – viele unterschätzen tatsächlich die saisonalen Schwankungen. Ich nutze bei meinen Analysen die Kombination aus PV-GIS-Daten für die Standort-Basis und dann meine eigenen Messwerte über mindestens zwei Jahre, um die Degradation und reale Verschattungsmuster abzubilden. Für Mini-PV würde ich die Hersteller-Datasheets mit Vorsicht genießen – die gelten unter idealen Bedingungen.
Bei der Amortisationsrechnung rechne ich konservativ: Ich nehme 85% des theoretischen Jahresertrags an und kalkuliere etwa 0,5% jährliche Degradation ein. Das klingt nach wenig, macht aber über 20 Jahre spürbar was aus. Gerade bei deinen kleinen Anlagen mit geringem Ertrag solltest du also die realen Erträge von Dezember bis Februar aktiv beobachten – das wird deine Amortisationszeit deutlicher beeinflussen als die Sommermonate jetzt.
Werner, kurz gesagt: vergiss die August-Werte für die Gesamtrechnung. Nimm deine Erträge von den letzten Monaten, rechne alles auf 12 Monate hoch, fertig. In meinen 12 Jahren PV-Betrieb hab ich da gelernt, dass der Mittelwert aus dem ganzen Kalenderjahr am zuverlässigsten ist – da gleicht sich alles aus.