Auf dem Angebot stehen zwei Zeilen nebeneinander: eine Anlage mit klassischen Modulen für rund 1650 Euro je Kilowattpeak, daneben eine Variante mit bifazialen Glas-Glas-Modulen für etwa 1850 Euro je Kilowattpeak. Der Unterschied bei einer 8-kWp-Anlage liegt damit schnell bei 1200 bis 1600 Euro. Die Frage, ob sich dieser Aufpreis lohnt, lässt sich nicht pauschal beantworten – sie hängt fast vollständig von der Montagesituation ab.
Bifaziale Module unterscheiden sich von Standardmodulen dadurch, dass auch die Rückseite der Zelle Licht in Strom umwandeln kann. Technisch handelt es sich meist um Glas-Glas-Aufbauten ohne rückseitige Folie, bei denen Sonnenlicht, das vom Untergrund reflektiert wird, zusätzlich genutzt wird. Der Zusatzertrag entsteht also nicht durch mehr direkte Einstrahlung von oben, sondern durch Streulicht und Reflexion von unten. Das bedeutet zugleich: Ohne einen Untergrund, der Licht zurückwirft, bleibt der Effekt gering.
Auf einem klassischen Steildach mit dunklen Tondachziegeln, auf dem die Module in geringem Abstand parallel zur Dachfläche montiert werden, kommt kaum Licht von unten an. Der Zwischenraum ist zu schmal, der Ziegel absorbiert einen Großteil des Lichts statt es zu reflektieren. In dieser – für Einfamilienhäuser in Deutschland typischen – Konstellation liegt der Mehrertrag der Rückseite oft nur bei zwei bis fünf Prozent. Das rechtfertigt einen Aufpreis von zehn bis fünfzehn Prozent auf den Modulpreis in den seltensten Fällen.
Bifaziale Solarmodule auf Flachdächern und Freiflächen
Anders sieht es aus, sobald die Module aufgeständert montiert werden: auf einem Flachdach mit hellem Kiesbett oder heller Bitumenbahn, auf einer Freiflächenanlage im Garten, auf einem Solarcarport oder einer Terrassenüberdachung. Hier entsteht ein deutlicher Abstand zwischen Modulunterseite und Untergrund, und je heller die Fläche darunter ist, desto mehr Licht wird zurückgeworfen. Auf weißem Kies oder heller Folie lassen sich Mehrerträge von zehn bis zwanzig Prozent messen, in Einzelfällen mit Schnee als besonders reflektierendem Untergrund auch mehr. Genau in diesen Konstellationen kann sich der Aufpreis über die Laufzeit auszahlen.
Für die Wirtschaftlichkeit zählt am Ende nicht der prozentuale Mehrertrag allein, sondern der Gegenwert in Kilowattstunden über zwanzig bis fünfundzwanzig Jahre, verrechnet mit dem Mehrpreis der Module. Bei einer Anlage, die durch bifaziale Ausführung 400 statt 350 Kilowattstunden je Kilowattpeak im Jahr liefert, sind das 50 Kilowattstunden Mehrertrag jährlich und Kilowattpeak. Bei einem Eigenverbrauchsanteil von 60 Prozent und einem ersparten Strombezugspreis von 30 Cent je Kilowattstunde ergibt das über zwanzig Jahre einen Gegenwert von grob 180 Euro je Kilowattpeak – vorausgesetzt, die Mehrerträge lassen sich tatsächlich nutzen und nicht nur einspeisen. Das ist eine überschlägige Rechnung, aber sie zeigt die Größenordnung: Bei einem Aufpreis von 150 bis 250 Euro je Kilowattpeak amortisiert sich die Technik nur, wenn die Rahmenbedingungen wirklich passen.
In diesem Zusammenhang lohnt sich auch ein Blick auf diesen Artikel zum Thema: Photovoltaik Speicher nachrüsten lohnt sich.
Wichtige Aspekte bei der Installation von bifazialen Modulen
Ein Aspekt wird bei der Kalkulation oft übersehen: Glas-Glas-Module sind schwerer als Module mit rückseitiger Folie, teils um mehrere Kilogramm pro Stück. Bei einer Aufdachmontage auf einem Bestandsdach sollte die Dachstatik geprüft werden, bevor man sich für die schwerere Variante entscheidet. Diese Prüfung gehört in die Hände des ausführenden Fachbetriebs oder eines Statikers, nicht in eine überschlägige Schätzung auf dem Papier.
Ein weiterer Pluspunkt bifazialer Module, der unabhängig vom Standort gilt, betrifft die Alterung. Glas-Glas-Aufbauten gelten als widerstandsfähiger gegenüber Feuchtigkeit und mechanischer Belastung, viele Hersteller geben deshalb längere Produktgarantien von 25 bis 30 Jahren und eine flachere Leistungsdegradation an, oft um 0,4 statt 0,5 Prozent pro Jahr. Über zwanzig Jahre summiert sich das zu einem spürbaren Mehrertrag, der mit der eigentlichen Bifazialität nichts zu tun hat, aber im gleichen Produkt mitgeliefert wird. Wer die beiden Angebote vergleicht, sollte deshalb nicht nur auf den Rückseitenertrag schauen, sondern auch auf Garantiebedingungen und Degradationskurve im Datenblatt.
Passend dazu haben wir einen weiteren Beitrag zum Thema: Photovoltaik mit Speicher lohnt sich.
Bei der Ertragsprognose lohnt es sich, genau nachzufragen. Standardsoftware wie PVGIS oder viele Planungstools der Installateure rechnen bifaziale Gewinne nur grob oder gar nicht ein, weil die Albedo des jeweiligen Untergrunds – also sein Reflexionsvermögen – individuell eingegeben werden muss. Ein seriöser Planer sollte für die konkrete Montagesituation eine gesonderte Simulation mit realistischem Albedo-Wert vorlegen, statt pauschal mit Herstellerangaben aus optimalen Testbedingungen zu werben. Solche Laborwerte, oft mit zwanzig Prozent Mehrertrag beziffert, entstehen meist auf weißem Untergrund mit größerem Reihenabstand als beim durchschnittlichen Hausdach.
Bei der Einspeisevergütung ändert sich durch bifaziale Module grundsätzlich nichts, da die Vergütung auf der Einspeiseleistung basiert. Die Frage, ob sich der Aufpreis für bifaziale Solarmodule lohnt, hängt also stark von der individuellen Situation ab. In bestimmten Fällen kann die Investition durchaus sinnvoll sein, in anderen jedoch nicht.
Häufig gestellte Fragen
Was sind bifaziale Solarmodule?
Bifaziale Solarmodule sind spezielle Solarmodule, die sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite Licht in Strom umwandeln können. Sie nutzen reflektiertes Licht vom Untergrund, um den Ertrag zu steigern.
Lohnt sich der Aufpreis für bifaziale Module?
Ob sich der Aufpreis lohnt, hängt stark von der Montagesituation ab. Auf hellem Untergrund können signifikante Mehrerträge erzielt werden, während auf dunklen Dächern der Vorteil gering ist.
Wie viel Mehrertrag kann man erwarten?
Der Mehrertrag kann je nach Untergrund und Montageart zwischen zwei und zwanzig Prozent liegen. Auf hellem Kies oder Schnee sind die Erträge am höchsten.
Sind bifaziale Module schwerer?
Ja, bifaziale Glas-Glas-Module sind in der Regel schwerer als Standardmodule mit Folie. Dies kann Auswirkungen auf die Dachstatik haben und sollte vor der Installation geprüft werden.
Wie lange halten bifaziale Solarmodule?
Viele Hersteller bieten für bifaziale Module längere Garantien von 25 bis 30 Jahren an. Sie sind zudem widerstandsfähiger gegenüber Feuchtigkeit und mechanischen Belastungen.
* Partnerprogrammhinweis: Wir erhalten ggf. eine Werbekostenvergütung, die uns hilft, dieses Angebot zu betreiben. Für dich entstehen keine Mehrkosten.


