Hallo zusammen,
ich bin gerade dabei meine erste PV-Anlage zu planen und habe mich in den letzten Wochen wirklich intensiv eingelesen. Jetzt stehe ich vor der Frage ob ich von Anfang an einen Stromspeicher mit einplanen soll oder erstmal ohne starte und später nachrueste.
Mein Gedankengang: Im Sommer wie jetzt gerade dürfte die Anlage tagsüber mehr produzieren als ich verbrauche, und abends und nachts greife ich dann auf Netz zurück. Ein Speicher würde das ausgleichen. Gleichzeitig möchte ich das ganze sauber in mein Smart Home integrieren – also dass der Speicher weiß wann z.B. die Waschmaschine läuft oder wann Spitzenlastzeiten sind.
Meine konkreten Fragen:
- Macht es Sinn Speicher und PV gleichzeitig zu installieren statt später nachzurüsten (Stichwort DC- vs AC-Kopplung)?
- Welche Speichergrößen haben sich bei euch im Alltag bewährt für ein normales Einfamilienhaus?
- Gibt es Hersteller oder Systeme die besonders gut mit Smart Home Systemen zusammenarbeiten?
Ich will das nicht überstürzen aber ich lerne hier wirklich viel von den erfahreneren Nutzern. Bin für jeden Hinweis dankbar, auch wenn jemand sagt ich denke das falsch an!
Grüße
Nico
Hi Nico,
grundsätzlich würde ich dir klar empfehlen: Wenn du jetzt neu planst, baue den Speicher von Anfang an mit ein. Der Hauptgrund ist genau das was du schon angesprochen hast – DC-Kopplung direkt über den Hybridwechselrichter ist deutlich effizienter als nachträglich AC-seitig was dranzuhängen. Du sparst dir Umwandlungsverluste und oft auch einen zweiten Wechselrichter.
Bei mir läuft das seit Jahren über KNX integriert, das funktioniert sehr stabil. Für Smart Home Anbindung schau dir mal Systeme an die offene Schnittstellen mitbringen – Modbus TCP ist da oft der Schlüssel, viele Wechselrichter und Speicher sprechen das inzwischen. Ich hatte damals meinen Installateur explizit danach ausgewählt ob er Erfahrung mit Systemintegration hat, nicht nur mit dem reinen Strom verlegen. Das war rückblickend die richtige Entscheidung.
Zur Größe: Für ein normales EFH sind 8-12 kWh Nutzkapazität ein häufig genannter Richtwert, aber das hängt stark von deinem Verbrauchsprofil ab. Ich hab dazu auch schonmal was im Wirtschaftlichkeits-Thread geschrieben: Lohnt sich PV-Anlage bei hohem Eigenverbrauch trotz niedriger Einspeisevergütung?
Kurz: Wenn die Anlage gut geplant ist, rechnet sich das trotz gesunkener Vergütung meistens.
Ich bin selbst noch Anfänger und kann inhaltlich nicht viel beitragen, aber ich frag mich auch ob sowas für eine Mietwohnung irgendwie umsetzbar wäre – auch wenn das natürlich ne ganz andere Hausnummer ist als dein EFH. Viel Erfolg bei der Planung!
Kurz und pragmatisch von mir: Gleichzeitig installieren, nicht nachrüsten. Spart Geld und Nerven.
Zur Smart Home Integration – schau dass dein Wechselrichter eine vernünftige API hat oder zumindest Modbus unterstützt, sonst wird die Anbindung an Home Assistant oder ähnliches zur Frickelei. Ich hab das bei mir auch so gelöst und kann Lade- und Entladezeiten damit flexibel steuern, also z.B. Speicher nachts wenn Niedertarif nicht entladen sondern für morgens früh vorhalten.
Bei der Dimensionierung würde ich eher etwas großzügiger rechnen – der Verbrauch wächst meistens mit der Zeit, Stichwort E-Auto oder Wärmepumpe irgendwann. 10 kWh nutzbar wäre bei nem normalen EFH mein Startpunkt für die Planung, dann schaust du was dein tatsächliches Lastprofil sagt. Monitoring von Tag 1 an einrichten, dann hast du nach einem Jahr echte Daten auf deren Basis du optimieren kannst.
Hallo Nico,
als jemand der sich sehr intensiv mit der Wirtschaftlichkeit beschäftigt möchte ich noch einen Punkt ergänzen den viele Einsteiger unterschätzen: Die Kapazitätsdegradation des Speichers über die Jahre.
Ich hab das selbst erlebt – nach einiger Zeit war der nutzbare Speicherinhalt spürbar geringer als die Herstellerangabe. Das solltest du bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung einkalkulieren. Dazu hab ich hier schonmal ausführlicher berichtet.
Mein Rat: Lieber einen Speicher mit etwas mehr Nennkapazität wählen als du anfangs brauchst, damit du auch in Jahr 8 oder 10 noch ausreichend nutzbaren Puffer hast. LiFePO4-Chemie hat dabei deutlich bessere Langzeitwerte als ältere Lithiumtechnologien – darauf würde ich bei der Auswahl achten.
Und was die CO2-Bilanz angeht: Jede Kilowattstunde die du selbst nutzt statt ins Netz zu speisen und später wiederzukaufen ist ein echter Beitrag. Das motiviert mich persönlich auch nach all den Jahren noch.