Hi zusammen,
bin gerade dabei, meine erste PV-Anlage zu planen und stehe vor der Wechselrichter-Auswahl. Mir ist aufgefallen, dass die Hersteller mit sehr unterschiedlichen Wirkungsgraden werben - von 95% bis zu 98,5%.
Jetzt frage ich mich: Wie viel bringen diese 2-3% Unterschied wirklich in der Praxis? Die Datenblätter zeigen ja immer Laborwerte unter idealen Bedingungen. Aber wie sieht es im echten Betrieb aus, wenn mal die Temperatur schwankt, die Module nicht optimal ausgerichtet sind oder Wolken durchziehen?
Hat jemand von euch schon mal einen direkten Vergleich gemacht? Ich überlege, ob ich 200€ mehr für einen Wechselrichter mit höherem Wirkungsgrad ausgeben soll oder ob das rausgeschmissenes Geld ist.
Bei meiner geplanten 8 kWp Anlage wären das theoretisch bei 1000 kWh Jahresertrag etwa 20-30 kWh mehr. Aber stimmt das auch praktisch? Gerade jetzt im Sommer bei der Hitze - da drosseln die Dinger doch eh alle runter, oder?
Würde mich über eure Erfahrungen freuen!
Die Frage ist berechtigt. Aus meiner Erfahrung mit verschiedenen Anlagengrößen: Die Datenblatt-Werte sind Momentaufnahmen unter idealen Bedingungen.
Real entscheiden andere Faktoren: Wie gut ist das MPP-Tracking bei wechselnden Lichtverhältnissen? Wie robust arbeitet die Regelung bei Netzstörungen? Wie schnell startet das Gerät morgens?
Die paar Prozent Wirkungsgrad-Unterschied verschwinden in der Messungenauigkeit. Wichtiger ist die Gesamtsystem-Performance über 20 Jahre.
Nach über 40 Jahren mit verschiedensten elektrischen Anlagen kann ich Ihnen sagen: Die Praxis sieht immer anders aus als das Datenblatt. In den 70ern haben wir schon gelernt, dass die schönsten Laborwerte nichts taugen, wenn die Technik unter realen Bedingungen versagt.
Bei Wechselrichtern ist die Langzeitstabilität wichtiger als 1-2% besserer Wirkungsgrad. Ein Gerät, das nach 8 Jahren ausfällt, kostet Sie mehr als die gesparten kWh je einbringen. Setzen Sie auf bewährte Hersteller mit guter Servicestruktur.
Die Hitze macht allen Geräten zu schaffen - da hilft nur ordentliche Belüftung.
Bei meiner Anlage merke ich die Wirkungsgrad-Unterschiede hauptsächlich bei Schwachlicht. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Morgens und abends, wenn wenig Licht da ist, arbeiten die besseren Wechselrichter deutlich effizienter.
Aber du hast recht - bei der aktuellen Hitze drosseln alle runter. Mein "Premium"-WR schaltet bei 65°C Innentemperatur ab, der günstigere vom Nachbarn läuft noch bis 70°C. Guess what - der günstigere produziert an heißen Sommertagen mehr!
Für deine 8 kWp würde ich nicht mehr als 100€ Aufpreis für höheren Wirkungsgrad zahlen.
In der Realität sind die Unterschiede deutlich geringer als auf dem Datenblatt. Die angegebenen 98% erreicht kein Wechselrichter dauerhaft - das sind Peak-Werte bei optimalen 25°C Umgebungstemperatur und idealer Last.
Bei höheren Temperaturen im Sommer sinkt der Wirkungsgrad aller Geräte ab. Ein nominell 95%-Gerät kann dann bei 40°C immer noch effizienter laufen als ein 98%-Gerät, wenn die Kühlung besser dimensioniert ist. Die Toleranzen der einzelnen Komponenten spielen auch eine große Rolle.
Meine Empfehlung: Schau dir eher die Temperaturkurven und das Kühlkonzept an. Ein robuster 96%-Wechselrichter mit guter Wärmeableitung bringt dir über 20 Jahre mehr als ein High-End-Gerät, das bei Hitze früh abriegelt.