Hallo zusammen,
bin völliger PV-Neuling und versuche gerade herauszufinden, ob sich eine Anlage für unser Haus lohnt. Hab schon einige Online-Rechner probiert, aber die Ergebnisse schwanken stark und ich bin mir unsicher, welche Werte ich da eigentlich eingeben soll.
Unser Verbrauch liegt bei ca. 4.200 kWh/Jahr, das Dach ist nach Süden ausgerichtet und hat Platz für etwa 8-10 kWp. Die Angebote liegen zwischen 18.000 und 24.000 Euro.
Meine konkrete Frage: Welche Faktoren berücksichtigen die meisten Einsteiger nicht richtig bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung? Ich hab gehört, dass man nicht nur auf die Anschaffungskosten und Stromersparnis schauen darf. Was sind die "versteckten" Kostenfaktoren, die man als Laie übersieht?
Und wie realistisch sind eigentlich diese 20-Jahre-Prognosen? Bei der aktuellen Entwicklung der Strompreise und Technik kann doch niemand vorhersagen, was in 10-15 Jahren ist, oder?
Würde mich über eure Erfahrungen freuen, besonders wenn ihr selbst mal vor derselben Entscheidung standet.
Viele Grüße
Tobias
Moin Tobias,
was viele unterschätzen sind die "weichen" Faktoren. Bei mir war's so: am Anfang hab ich nur auf die nackten Zahlen geschaut. Aber mittlerweile merke ich, wie entspannt es ist, den eigenen Strom zu haben.
Vergiss nicht:
- Inflation bei den Stromkosten (die steigen ja auch)
- Mögliche Änderungen bei der EEG-Umlage
- Dass du flexibler wirst (Wärmepumpe, E-Auto später mal)
Und die versteckten Kosten: Ja, gibt's. Zählerschrank-Umbau falls nötig, manchmal Dachsanierung, Versicherung. Aber ehrlich gesagt relativiert sich das schnell. Meine Nachbarn fragen ständig nach der Anlage - alle bereuen es, nicht früher gebaut zu haben.
Hey Tobias,
kann deine Unsicherheit gut verstehen! Bei mir war's genauso am Anfang. Was ich damals übersehen hab: die Wartungskosten und dass sich der Eigenverbrauchsanteil über die Jahre ändert.
Die Online-Rechner sind meist zu optimistisch. Die rechnen oft mit 30% Eigenverbrauch, aber realistisch sind eher 20-25% ohne Speicher. Und dann kommen noch Kosten für Versicherung (ca. 100-150€/Jahr), gelegentliche Reparaturen und nach 10-15 Jahren vielleicht ein neuer Wechselrichter dazu.
Was die Prognosen angeht: stimmt schon, 20 Jahre ist lang. Aber selbst wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, hast du immer noch deinen eigenen Strom. Bei den aktuellen Strompreisen amortisiert sich ne Anlage meist schon nach 8-12 Jahren.
Hallo Tobias,
ich denke, der wichtigste Punkt ist die realistische Einschätzung des Eigenverbrauchs. Viele rechnen mit viel zu hohen Werten. Ohne entsprechende Verbraucher tagsüber (Wärmepumpe, E-Auto, Klimaanlage) liegt der Eigenverbrauch oft nur bei 20-25%.
Hab erst kürzlich über Klimaanlagen und PV diskutiert - gerade jetzt im Sommer merkt man, wie wichtig solche Verbraucher für die Wirtschaftlichkeit sind.
Zusätzlich solltest du folgende Kostenpunkte berücksichtigen:
- Zählerkosten beim Netzbetreiber
- Steuerliche Aspekte (Kleinunternehmerregelung vs. Regelbesteuerung)
- Eventuelle Dachsanierung vor Installation
- Gerüstkosten
Die 20-Jahres-Prognosen sind natürlich mit Vorsicht zu genießen, aber die Moduldegradation ist gut kalkulierbar.
Lieber Tobias,
nach über 10 Jahren Erfahrung mit der eigenen Anlage kann ich sagen: die wichtigsten "versteckten" Faktoren sind meist menschlicher Natur.
Viele Neueinsteiger unterschätzen, wie sich das Verbrauchsverhalten ändert. Plötzlich läuft die Waschmaschine mittags, der Geschirrspüler auch. Das erhöht den Eigenverbrauch deutlich über die ursprünglichen Kalkulationen.
Dann kommt oft noch dazu: E-Auto, Wärmepumpe, Pool - alles Verbraucher, die man anfangs nicht plant. Deshalb mein Rat: lieber eine Nummer größer dimensionieren.
Die 20-Jahres-Prognosen? Hab ich 2012 auch kritisch gesehen. Rückblickend waren die meisten zu konservativ - die Strompreise sind stärker gestiegen als damals angenommen. Die Anlage hat sich besser gerechnet als kalkuliert.