Hallo zusammen,
ich plane gerade eine größere PV-Anlage auf unserem Flachdach (ca. 10 kWp) und stoße überall auf die gleiche Empfehlung: Süd ist optimal. Das ist mir zu einfach.
Meine Überlegung: Mit Ost-West-Ausrichtung hätte ich morgens und abends etwas mehr Ertrag, die Mittagsspitzen wären flacher. Das könnte für die Netzstabilität besser sein und eventuell weniger Einspeisevergütungsausfälle durch Abregelung bringen – zumindest theoretisch.
Aber wie sieht es in der Praxis aus? Ich habe gelesen, dass Ost-West im Jahresertrag etwa 10-15% weniger bringt als Südausrichtung. Die Frage ist: Kann man das durch bessere Montagesysteme oder Winkel kompensieren? Oder ist die reine Südausrichtung unschlagbar?
Mich interessiert konkret:
- Aktuelle Einspeisevergütung (August 2024) – wie relevant ist Abregelung wirklich?
- Unterschied in den Investitionskosten für die Montagesysteme
- Hat jemand echte Messdaten von beiden Varianten?
Ich bin skeptisch gegenüber den Standard-Empfehlungen, weil die oft nicht die realen Netzgegebenheiten abbilden.
Thomas, ich habe da tatsächlich systematische Vergleiche gemacht für einen Artikel über Mini-Solaranlagen. Bei größeren Systemen zeigt sich: Ost-West-Anlagen bringen im Schnitt 88-92% des Südertrags, nicht 85-90% wie oft behauptet.
Die Montagekosten sind praktisch identisch. Der echte Unterschied liegt in der Netzintegration: Bei Ost-West sinkt deine Spitzenlast um etwa 20-25%, was lokal die Netzstabilität verbessert. Aber – und das ist wichtig – die Einspeisevergütung ist aktuell so niedrig (ca. 8-9 ct/kWh bei dir im August), dass Abregelung kaum noch relevant ist. Das war anders bei 10+ ct/kWh.
Mein Fazit: Süd für maximale Rendite, Ost-West nur, wenn du andere Gründe hast (Flächenoptimierung, lokale Netzlasten). Rechne beide Szenarien mit deinen realen Zahlen durch.
Hallo Thomas,
da sprichst du einen guten Punkt an. Ich habe das mit meinem Balkonkraftwerk auf dem Südbalkon durchaus beobachtet – im Hochsommer fahren die Wechselrichter regelmäßig runter, weil die Einstrahlung zu heftig ist. Bei mir haben sich die 600W durch die südliche Ausrichtung schnell amortisiert, aber du hast recht: Ost-West könnte die Lastspitzen glätten.
Bei mir spielen aber auch die Verschattungen eine große Rolle (siehe mein früherer Thread zu den Hitze-Problemen beim WR). Ich würde dir empfehlen, erst eine echte Verschattungsanalyse für dein Dach zu machen – die entscheidet oft mehr als die grobe Himmelsrichtung.
Zum Punkt Einspeisevergütung: Das ist sicher intelligent überlegt. Aber 10-15% Ertragsverlust sind wirtschaftlich heftig, wenn die Vergütung konstant bleibt. Hast du die aktuellen Sätze für deine Anlagengröße gecheckt?
Gruß Helmut