Hallo zusammen,
ich plane gerade meine PV-Anlage und stehe jetzt vor der Frage mit der Verkabelung. Konkret geht es mir darum, wie ich den richtigen Kabelquerschnitt für die DC-Seite (also vom Modul bis zum Wechselrichter) und auch für die AC-Seite zum Zählerschrank selbst berechne oder zumindest grob überschlage.
Meine Anlage soll ca. 9,9 kWp haben, Wechselrichter kommt ins Haus (Keller), die Module sind auf dem Südwestdach. Die Leitungslänge vom Dach bis in den Keller schätze ich auf ca. 18-20 Meter, einfach gerechnet.
Ich hab gelesen, dass auf der DC-Seite oft 6mm² empfohlen wird, aber stimmt das pauschal? Und wie ist das auf der AC-Seite – da sind doch andere Normen relevant oder? Ich glaube da kommt die VDE ins Spiel aber ich blick da nicht ganz durch.
Außerdem: Macht der Querschnitt einen spürbaren Unterschied beim Ertrag oder ist das eher sicherheitstechnisch relevant? Ich frag mich auch ob ich für die AC-Zuleitung 3-phasig verlegen muss oder ob einphasig bei der Leistung noch geht.
Bin kein Elektriker, möchte das aber möglichst gut verstehen bevor der Installateur kommt. Dann kann ich wenigstens mitreden und weiß ob der Vorschläge macht die Sinn ergeben.
Danke schon mal!
Gute Frage, und gut dass du dich vorher informierst. Zur DC-Seite: Die 6mm² sind tatsächlich in den meisten Fällen sinnvoll und auch gängige Praxis, aber pauschal stimmt das nicht für jede Situation. Entscheidend ist der sogenannte Spannungsabfall – der sollte auf der DC-Seite möglichst unter 1% bleiben, besser noch darunter. Bei deinen ~18-20 Metern und typischen String-Strömen zwischen 8 und 12 Ampere je nach Modulauswahl bist du mit 6mm² meist gut dabei.
Beim Ertrag macht ein zu dünnes Kabel tatsächlich einen Unterschied, weil jeder Ohm Widerstand Energie in Wärme umwandelt. Ich hab das mal im Thread zu Ertragsverluste durch Verschmutzung am Rande erwähnt – Kabelwiderstand ist eine der stillen Verlustquellen die kaum jemand auf dem Schirm hat.
Zur AC-Seite: Bei 9,9 kWp wirst du in der Regel einen 3-phasigen Wechselrichter haben, da ist 3-phasige Einspeisung Pflicht. Einphasig wäre hier weder netztechnisch sinnvoll noch wahrscheinlich von deinem Netzbetreiber genehmigt. Querschnitt AC-seitig richtet sich nach dem Nennstrom des WR plus Reservepuffer, 10mm² ist da oft die Empfehlung für längere Strecken.
Ich seh das pragmatisch: Für die DC-Seite nimmst du 6mm², fertig. Bei deiner Länge und typischer Stringspannung um die 400-600V passt das. Mehr Querschnitt kostet nur und bringt bei kurzen Leitungen kaum was.
Was ich aber wirklich wichtig finde und was hier noch keiner erwähnt hat: die Steckverbinder! MC4-Stecker müssen korrekt verpresst sein, mit dem richtigen Werkzeug. Billig-Crimpzangen aus dem Baumarkt sind da absolut fehl am Platz. Schlechte MC4-Verbindungen sind eine der häufigsten Brandursachen bei PV-Anlagen und das ist kein Witz. Ich hab mich mit dem Thema intensiver beschäftigt im Thread zu Urlaub und PV – da ging es zwar um was anderes aber Anlagensicherheit im Betrieb war auch Thema.
Also kurz: Kabelquerschnitt ist wichtig, aber die Verbindungsqualität an den Steckern ist mindestens genauso kritisch. Lass das auf jeden Fall vom Fachmann machen oder zumindest prüfen.
Also ich hab das bei meiner Anlage letztes Jahr ähnlich durchgekaut. Kurz gesagt: DC 6mm² ist quasi Standard und bei deiner Länge absolut ausreichend. Für die AC Seite – da würd ich einfach direkt den Installateur fragen was er verlegen möchte und warum, dann merkst du schnell ob der Ahnung hat. Wenn er 2,5mm² AC-seitig bei nem 10kWp WR vorschlägt ohne Begründung, würd ich hellhörig werden.
Das mit einphasig kannst du dir bei der Leistung eh abschminken, Netzbetreiber lassen das ab 4,6 kW Wechselrichterleistung meist nicht mehr zu, zumindest in meiner Region war das so. Lieber vorher beim Netzbetreiber anrufen und nachfragen, die haben meistens klare Vorgaben.
Achja: Die Kabeltypen unterscheiden sich auch – für DC brauchst du H1Z2Z2-K (früher bekannt als PV1-F) und kein normales Installationskabel. Das ist UV-beständig und für DC-Spannung zugelassen. Auf dem Dach würd ich da keine Kompromisse machen, gerade jetzt im Sommer wo die Temperaturen auf der Dachhaut ordentlich anziehen.
Noch kurz zum Querschnitt AC: Ich hab bei mir 16mm² verlegt bekommen, obwohl rechnerisch 10mm² gereicht hätten. Der Installateur hat das mit zukünftiger Reservekapazität und niedrigerem Widerstand begründet. Fand ich erstmal übertrieben, aber im Nachhinein denk ich das ist kein schlechter Ansatz wenn man langfristig denkt – vielleicht kommt ja noch ein Speicher oder ne Wallbox dazu.