Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade mit der Frage, ob man dynamische Stromtarife (wie Tibber, aWATTar) sinnvoll mit einer Mieterstromanlage kombinieren kann – aus technischer Perspektive.
Das Szenario: Ein MFH mit PV-Anlage versorgt Mieter mit Mieterstrom. Parallel bietet der Betreiber den Mietern an, über einen dynamischen Tarif in Echtzeit zu reagieren und z.B. Wärmepumpen, Ladestationen oder Speicher zu nutzen.
Meine Fragen:
- Wie passt das regulatorisch zusammen? Mieterstrom hat feste Vergütungsmodelle, dynamische Tarife sind variabel.
- Braucht man für Mieterstrom + dynamischen Tarif separate Smart Meter oder reicht eine Messkaskade?
- Lohnt sich der administrative Overhead im Sommer (August, September) überhaupt, wenn die PV-Einspeisung konstant hoch ist und kaum Preisoptimierungsspielraum bleibt?
Ich teste gerade verschiedene Szenarien mit meinem Balkonkraftwerk und frage mich, ob dieses Modell für eine 8–12-Familien-Anlage wirtschaftlich tragbar ist oder eher ein Nice-to-Have für Neubau-Projekte.
Freue mich über eure Erfahrungen oder kritische Perspektiven!
Das ist eine interessante Frage, aber ich muss ehrlich sagen: Im Sommer (wo du gerade testest) sehe ich da wenig wirtschaftlichen Mehrwert. Bei hoher PV-Erzeugung ist der Strom eh billig, und die Mieter haben kaum Anreiz, den Verbrauch zu verschieben – Klimaanlage läuft, Warmwasser ist gerade noch warm genug.
Bei mir auf dem Hof mit der Inselanlage merke ich das ja deutlich: Sommerspitzen nutzen bringt kaum Ersparnisse. Im Winter oder in den Übergangszeiten könnte das anders aussehen.
Für Mieterstrom-Anlagen würde ich sagen: Erst die Basis stabilisieren, dann Optimierungen. Die komplexe Messtechnik und Vertragsgestaltung lohnt sich eher ab ~20+ Haushalte.
Gute Frage, aber aus meiner Sicht ein klassisches Überengineering-Szenario.
Regulatorisch: Mieterstrom fällt unter EEG, dynamische Tarife sind separate Verträge mit dem Stadtwerk/Dienstleister. Das erfordert zwei unterschiedliche Abrechnungsschnittstellen und im Worst Case zwei unterschiedliche Smart-Meter-Typen pro Wohneinheit.
Administrativ wird das teuer. Du brauchst separate Verträge, separate Abrechnungen, separate Kundenbetreuung. Die Einsparungen durch Lastverschiebung in einem MFH mit Mieterstrom sind marginal – viele Mieter können ihre Last gar nicht flexibel anpassen.
Mein Fazit: Auf Papier klingt es nach Optimierung. In der Praxis entsteht aber mehr Komplexität als Nutzen, vor allem bei kleineren Anlagen.