Moin zusammen,
nach 20 Jahren als Elektroingenieur bin ich eigentlich vieles gewöhnt, aber die Fehlercode-Dokumentation mancher Wechselrichter-Hersteller ist wirklich eine Klasse für sich. Stichwort: systematisch unvollständig und marketingtechnisch verschönt.
Konkreter Anlass: Seit ein paar Wochen taucht bei meinem SMA Sunny Boy gelegentlich der Code 3501 auf – laut Dokumentation irgendwas mit "Netzfrequenz außerhalb Toleranz". Das Ding läuft weiter, kein dauerhafter Ausfall, aber die Häufigkeit im Juli hat zugenommen. Hochsommer, volle Einspeisung, heiß – klar, aber das kann auch nicht die ganze Erklärung sein.
Ich habe die Messprotokolle durchgeschaut, Frequenzabweichungen sind marginal. Netzseitig sieht alles unauffällig aus. Die Frage ist: Eigendiagnose mit Messgerät durchziehen oder direkt den Herstellerservice anrufen, der mir dann erklärt, was ich selbst besser weiß als der Techniker am Telefon?
Was mich eigentlich interessiert: Habt ihr Erfahrungen mit solchen sporadischen Fehlercodes, die in der offiziellen Doku nur halbgar beschrieben sind? Gibt es zuverlässige Community-Ressourcen, die über das hinausgehen, was SMA oder Fronius offiziell rausgeben?
Ich erwarte hier keine Wunderlösung, aber erfahrungsbasierte Einschätzungen helfen mehr als Hochglanzprospekte vom Hersteller.
Was Markus R. sagt mit dem Netzanalysator klingt sinnvoll. Als jemand der die Anlage eher als schwarze Box betreibt frag ich mich aber: Wenn das tatsächlich ein Netzproblem ist – kann man da überhaupt was tun oder ist man dann auf den Netzbetreiber angewiesen? Bei mir hatten wir ja schon das Thema mit der Wirtschaftlichkeit und ich frag mich ob solche Netzprobleme am Ende auch Einfluss auf den Speicher haben.
Der 3501 ist mir bekannt, hab ähnliches bei einem Fronius Symo gesehen – anderer Hersteller, gleiches Prinzip. Sporadische Frequenzfehler im Sommer entstehen bei uns oft durch kurze Lastabwürfe im Netz, gerade nachmittags wenn viel eingespeist wird und lokale Verbraucher abschalten. Die Toleranzfenster mancher WR sind enger eingestellt als die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte, das ist herstellerseitig bewusst so gebaut für schnelleres Abschalten im Fehlerfall.
Zur Eigendiagnose: Ein Netzanalysator über 24-48h am Einspeisepunkt klemmen und Frequenz plus Spannung mitloggen. Dann siehst du ob die Ereignisse zeitlich mit den Fehlercodes korrelieren. Das ist die sauberste Methode und du brauchst keinen Servicetechniker, der dir dann erklärt, der WR könnte defekt sein.
Alternativ: In der SMA-Community gibt es tatsächlich eine inoffizielle Fehlercode-Liste, die deutlich detaillierter ist als das offizielle Manual. Such mal nach "SMA extended error codes community" – da findest du mehr als in der offiziellen Doku.
Kurz zum praktischen Teil: Bei SMA gibt es auch die Möglichkeit, über das Webinterface des WR die Ereignisliste mit Zeitstempeln zu exportieren. Wenn du die mit deinen Frequenzmessungen gegenlegst, siehst du sehr schnell ob das ein wiederkehrendes Muster hat – z.B. immer zwischen 13 und 16 Uhr wenn die Einspeisung ihr Maximum hat. Das hat mir damals bei einem ähnlichen Problem bei meiner Anlage mehr gebracht als jeder Anruf beim Hersteller.
Interessantes Thema, auch wenn ich vom Hintergrund her kein Elektroingenieur bin. Ich hab bei meiner Anlageplanung festgestellt, dass die Hersteller-Doku wirklich oft nur die halbe Wahrheit zeigt – hatte das auch im Wechselrichter Montage Thread schon gemerkt.
Für den 3501 bei SMA gibt es tatsächlich einige Einträge in der Sunny Portal Community, die über die offizielle Doku hinausgehen. Was ich dort gelesen habe: Im Hochsommer bei voller Einspeisung kann das mit der lokalen Netzspannung zusammenhängen – die steigt am Einspeisepunkt manchmal kurz an, und der WR reagiert empfindlich. Das wäre dann eher ein Problem der Netzqualität im Niederspannungsnetz als ein Gerätefehler.
Ob das dein Problem ist, kannst du als Elektroingenieur sicher besser beurteilen als ich. Aber die Community-Foren von SMA sind tatsächlich hilfreicher als der offizielle Support, zumindest nach meiner Recherche.