Hallo zusammen,
als Projektmanager beschäftige ich mich beruflich viel mit PV-Wirtschaftlichkeit, aber bei den aktuellen EEG-Änderungen bin ich etwas unsicher geworden. Die Einspeisevergütung ist ja nochmal angepasst worden und gleichzeitig steigen die Modulpreise wieder leicht.
Meine Frage: Wie rechnet ihr aktuell eure Wirtschaftlichkeitsanalysen? Welche Parameter verwendet ihr für die Prognosen? Ich arbeite derzeit mit:
- 20 Jahre Betrachtungszeitraum
- 0,5% jährliche Degradation
- Strompreissteigerung von 2,5% p.a.
- Eigenverbrauchsanteil je nach Anlage 35-45%
Bin mir aber unsicher, ob diese Annahmen noch realistisch sind. Besonders die Strompreisentwicklung ist schwer vorhersagbar geworden. Rechnet ihr mit höheren Steigerungsraten oder seid ihr konservativer geworden?
Und noch eine Frage: Wie bewertet ihr die neuen Regelungen zur Volleinspeisung? Kann das in bestimmten Fällen wirtschaftlicher sein als Eigenverbrauch mit Überschusseinspeisung?
Freue mich auf eure Erfahrungen und Einschätzungen!
Gruß
Marco
Hi Marco,
als Neuling in dem Thema kann ich dir zwar nicht mit jahrelanger Erfahrung helfen, aber ich hab mich auch gerade intensiv mit der Wirtschaftlichkeit beschäftigt.
Deine Parameter klingen für mich ziemlich vernünftig. Bei der Strompreissteigerung bin ich allerdings vorsichtiger geworden - ich rechne nur noch mit 2% p.a., weil die Politik ja versucht die Preise zu dämpfen. Kann aber auch total falsch liegen 😅
Was die Volleinspeisung angeht: Hab ich auch durchgerechnet für mein geplantes Projekt. Bei mir kommt raus, dass es sich nur lohnt wenn man wirklich sehr wenig Eigenverbrauch hat (unter 25% würd ich sagen). Die höhere Vergütung gleicht den entgangenen Eigenverbrauchsvorteil meist nicht aus.
Vielleicht rechnen hier aber die erfahreneren User noch mal drüber? Würde mich auch interessieren ob meine Einschätzung stimmt.
Gruß
Tom
Hi Marco,
ich rechne ähnlich wie du, bin aber bei der Strompreissteigerung etwas vorsichtiger geworden. Verwende aktuell nur noch 2% p.a., nachdem die letzten Jahre so volatil waren. Lieber konservativ kalkulieren und dann positiv überrascht werden.
Bei der Volleinspeisung habe ich mir auch schon Gedanken gemacht - rechnet sich meiner Ansicht nach hauptsächlich bei größeren Dachflächen, wo man eh nicht alles selbst verbrauchen kann. Die höhere Vergütung gleicht dann den fehlenden Eigenverbrauchsvorteil aus. Für normale EFH-Anlagen bis 10 kWp ist Eigenverbrauch meist noch wirtschaftlicher.
Degradation nehme ich übrigens nur 0,4% an - die heutigen Module sind da besser geworden. Und beim Eigenverbrauchsanteil bin ich etwas optimistischer, rechne mit 40-50%, je nach Verbrauchsprofil und evtl. Speicher.
Was denkst du denn über Batteriespeicher in der aktuellen Situation? Bei den Strompreisen könnte sich das ja wieder mehr lohnen.
Gruß
Thomas
Hi Marco,
deine Parameter sind schon ganz vernünftig, aber ich rechne mittlerweile etwas konservativer. Bei der Strompreissteigerung bin ich auf 3-3,5% gegangen - die letzten Jahre haben gezeigt, dass 2,5% zu optimistisch waren. Degradation nehme ich auch 0,5%, das passt.
Bei der Volleinspeisung bin ich ehrlich gesagt skeptisch. Klar, die Vergütung ist höher, aber du verzichtest komplett auf den Eigenverbrauch. Das rechnet sich meiner Meinung nach nur bei sehr günstigen Anlagen oder wenn du wirklich fast keinen Strom tagsüber brauchst.
Ich mache immer zwei Szenarien - einmal konservativ mit niedrigerer Eigenverbrauchsquote und höheren Kosten, einmal optimistisch. Die Wahrheit liegt meist dazwischen. Bei aktuellen Modulpreisen würde ich auch nochmal 10-15% Puffer einbauen, falls die Preise weiter steigen.
Was auch wichtig ist: Die steuerlichen Änderungen nicht vergessen! Die Befreiung von der EK-Steuer macht schon was aus bei der Rechnung.
Wie siehst du denn die aktuelle Marktentwicklung bei den Wechselrichtern? Da sind die Preise ja auch gestiegen.
Hi Marco,
deine Parameter sind schon ganz vernünftig. Ich rechne mittlerweile mit 3-4% Strompreissteigerung, nachdem wir die letzten Jahre deutlich höhere Sprünge gesehen haben. Bei der Degradation bin ich sogar noch konservativer und nehme 0,6% - lieber positiv überrascht werden.
Was die Volleinspeisung angeht: Kann durchaus interessant sein, besonders bei größeren Dächern wo der Eigenverbrauchsanteil sowieso niedrig wäre. Die höhere Vergütung gleicht den fehlenden gesparten Strombezug teilweise aus. Kommt aber stark auf den individuellen Stromverbrauch und die Anlagengröße an.
Ein Punkt den viele übersehen: Die aktuellen Modulpreise sind zwar wieder etwas gestiegen, aber immer noch deutlich unter dem Niveau von vor 2 Jahren. Da würde ich nicht zu lange zögern, die können auch schnell wieder anziehen wenn sich die Liefersituation weiter entspannt.
Machst du eigentlich Sensitivitätsanalysen mit verschiedenen Szenarien? Das hilft mir immer beim Risikomanagement.
Gruß
Roland
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